Industrie- und Gewerbelärm

Lärmgutachten

Um festzustellen, ob die Belastungsgrenzwerte zum Lärm von Industrie- und Gewerbeanlagen nach Anhangs 6 der Lärmschutzverordnung (LSV) eingehalten werden, reicht es nicht aus, nur den Schalldruckpegel einer Anlage zu kennen, sondern es ist der sogenannte Beurteilungspegel zu berechnen. Dieser besteht aus dem Schalldruckpegel und aus von der Lärmquelle abhängigen Zuschlägen wie Lärmart und -charakteristik sowie Reduktionen, falls die Anlage nicht den ganzen Tag in Betrieb ist.
Diese Angaben sind in einem Lärmgutachten nachvollziehbar darzulegen. Bei noch nicht realisierten Bauvorhaben besteht das Gutachten aus einer Lärmprognose, die auf Basis von Angaben des Betriebes, von Erfahrungswerten mit ähnlichen Anlagen und Annahmen zu erstellen ist.

Spezielle Anforderungen an Lärmgutachten und Lärmprognosen

In einem Lärmgutachten oder einer Lärmprognose zu Industrie- und Gewerbeanlagen müssen folgende Angaben ersichtlich sein:

  • Welche Lärmemissionen sind aus dem Betrieb der Anlage zu erwarten? Falls verschiedene Lärmquellen vorhanden sind, müssen diese einzeln ausgewiesen und beurteilt werden.
  • Die relevanten Empfangspunkte, also die nächstgelegenen Räume mit lärmempfindlicher Nutzung gemäss Art. 2 Abs. 6 LSV, sind zu bezeichnen und die jeweiligen Empfindlichkeitsstufen und Grenzwerte anzugeben.
  • Mittels Messungen und/oder Ausbreitungsrechnungen (z.B. nach DIN 9613-2) ist aufzuzeigen, welche Lärmimmissionen an den relevanten Empfangspunkten resultieren.
  • Die Betriebszeiten der Anlagen bzw. lärmintensiven Prozesse sind getrennt für Tag (07 bis 19 Uhr) und Nacht (19 bis 07 Uhr) anzugeben, und es ist anzuführen, wie oft bzw. wie lange im Durchschnitt während den jährlichen Betriebstagen Lärm erzeugt wird.
  • Wie sind die Pegelkorrekturen gemäss Anhang 6 LSV berücksichtigt?
  • Welche Beurteilungspegel ergeben sich zu den jeweiligen Lärmquellen bzw. Teilprozessen und wie hoch fällt er für die gesamte Anlage aus?
  • Falls auf Grund der Ergebnisse nötig, ist aufzuzeigen, wie die geforderten Belastungsgrenzwerte eingehalten werden können.
    Hinweis: Für neue Anlagen gelten die Planungswerte. Für Anlagen, die vor 1985 bereits bestanden haben, gelten die Planungswerte für neue Anlageteile und die Immissionsgrenzwerte über die gesamte Anlage.
  • Zudem ist gestützt auf Art. 11 USG aufzuzeigen, welche zusätzlichen zumutbaren Massnahmen getroffen werden können, um vermeidbaren Lärm nach dem Vorsorgeprinzip auch dann reduzieren zu können, wenn die Immissionen die Grenzwerte bereits unterschreiten.  

Hohe Ansprüche an Gutachter und Gutachterinnen

Zur Erstellung eines Lärmgutachtens oder einer Prognose muss zwingend das nötige Akustik-Fachwissen vorhanden sein.Lärmsachverständige sind z.B. auf der Internetseite des Cercle Bruit aufgeführt.