Strassenlärm

Methode & Ablauf

Die Lärmschutzverordnung und das Strassengesetz schreiben vor, wie die Sanierung von lärmigen Anlagen vor sich zu gehen hat und wer zu welchem Zeitpunkt aktiv werden muss.

Lärmschutzmassnahmen

An erster Stelle bei der Planung von Lärmsanierungen stehen übergeordnete nachhaltige Überlegungen zu den Quellen des Lärms:

  • Verkehrs- und Raumplanung
  • Verkehrslenkung
  • Verkehrs"beruhigung"
  • Verkehrsgestaltung

An zweiter Stelle folgen Massnahmen auf dem Ausbreitungsweg des Lärms:

  • Wände, Dämme und weitere Hindernisbauten

Alle diese Massnahmen sind Lärmschutz im Sinne der Gesetzgebung (Lärmschutzverordnung LSV), sie beschränken die Belastung am geöffneten Fenster lärmempfindlicher Räume und damit auch im umliegenden Aussenraum.

An letzter Stelle stehen Massnahmen am Empfangsort des Lärms:

  • Schallschutzfenster

Der Fensterersatz kommt beispielsweise dann zum Zug, wenn Alarmwerte überschritten werden und Massnahmen auf dem Ausbreitungsweg aus Platzgründen undenkbar oder wegen schwerwiegender Konflikte mit dem Orts- und Landschaftsbild nicht ausführbar sind.
Lärmschutz wird in diesem Fall zum Schallschutz und findet nur noch hinter geschlossenen Fenstern statt.

Ablauf

Bei der Sanierung der Staatsstrassen im Kanton Zürich führen die folgenden Schritte zum Ziel:

Lärmbelastungskataster

Neben den Lärmemissionen der Strassen haben die Lage und Anordnung der Gebäude und die Topografie des Geländes einen entscheidenden Einfluss auf die Immissionen bei den Gebäuden. Für die exakte Erfassung der sanierungsbedürftigen Liegenschaften stehen aktuelle Daten und geeignete Software zur Verfügung.

Abbildung einer Grafik

 

GIS-LBK I: Input.
Der GIS-LBK sammelt alle für die Strassensanierung relevanten Daten in geeigneter Form und hält sie auf aktuellem Stand. (GIS Geografisches Informationssystem; LBK: Lärmbelastungskataster)

Für die Planung der Sanierungsprogramme und die Erstellung der Sanierungsprojekte werden die Daten des GIS-LBK aufgabenspezifisch zusammengefasst und dargestellt.

Abbildung der GIS LBK Oberfläche

 

GIS-LBK II: Ouput.
Der GIS-LBK liefert die für die Sanierung relevanten Daten für jede in Frage kommende Liegenschaft im Kanton. (GIS: Geografisches Informationssystem; LBK: Lärmbelastungskataster)

Vorstudie

Die Lärmbelastung der Gebäude entlang der Staatsstrassen wird gemeindeweise erhoben (GIS-LBK). Die kritischen Strecken werden an Ort und Stelle von Fachleuten beurteilt. Mit Hilfe geeigneter Ausschlusskriterien und viel Erfahrung wird begründet und festgelegt, wo Lärmschutzmassnahmen auf dem Ausbreitungsweg realisierbar sind und wo nicht.

Foto eines an der Strasse gelegenen Hauses

 

Erfahrungsbasierte Evaluation (Küsnacht).
Wo eine Lärmschutzwand akustisch sinnvoll und technisch machbar ist, bleibt noch zu beurteilen, ob sie gestalterisch lösbar sein wird und ob sie keine sonstigen Einwände auf den Plan rufen wird.

Mögliche Standorte für Lärmschutzwände oder -wälle werden der Gemeindebehörde präsentiert. Diese nimmt dazu Stellung - grundsätzlich und hauptsächlich in Sachen Ortsbild.

Variante Lärmschutzwand möglich:

Projekt Lärmschutzwand

Das nach Rücksprache mit den betroffenen Eigentümern erarbeitete Projekt Lärmschutzwand beinhaltet die folgenden Punkte:

  • Höhe, Länge und Lage der geplanten Wand
  • Situationsplan
  • Technische Machbarkeit
  • Wirksamkeit
  • Wirtschaftlichkeit
  • Materialisierung
  • Bei Bedarf fotorealistische Darstellung

Bei bereits bestehenden Wänden wird abgeklärt, ob sie alle Anforderungskriterien erfüllen. Ist dies der Fall, so werden vertiefte Abklärungen getroffen und Untersuchungen des bestehenden Lärmschutzbaus durchgeführt.
Das Projekt wird öffentlich aufgelegt. Allfällige Einwendungen werden - wenn möglich - berücksichtigt, die nicht berücksichtigten in einem dem Projekt beiliegenden Bericht festgehalten.

Bauprojekt

Das Lärmsanierungsprojekt wird auf Grund der Einsprachen bereinigt. Die baulichen Massnahmen werden im Bauprojekt konkretisiert:

  • Allgemeiner Beschrieb des Projektes
  • Lage der Bauten
  • Höhe der Bauten
  • Konstruktionsmerkmale der Bauten
  • Fundation der Bauten
  • Ablauf des Projektes
  • Etappierung des Projektes
  • Dauer des Projektes
  • Kosten des Projektes
  • Unterhalt der Bauten 

Der technische Bericht mit Kostenvoranschlag wird ergänzt durch Übersichts- und Detailpläne (Situationen, Ansichten) sowie Darstellungen von Normalprofilen der Bauten.

 

Bauprojekt.
Das Sanierungsprojekt nimmt realisierbare Formen an.

Bauausführung

Nach Auflage und Bereinigung des Bauprojektes werden seine Inhalte detailliert ausgearbeitet und das Projekt festgesetzt.
Aufgrund des bereinigten und genehmigten Ausführungsprojektes werden die Massnahmen realisiert.

Variante Lärmschutzwand nicht möglich:

Projekt AW-Fenster, Projekt IGW-Fenster

Da der Einbau von Schallschutzfenstern weder den Lärm an der Quelle noch auf dem Ausbreitungsweg vermindert, gelten Schallschutzfenster als Ersatzmassnahmen und werden darum nur dann realisiert, wenn keine anderen Massnahmen möglich sind.

Grundsätzlich zu unterscheiden ist zwischen Fenstern mit Alarmwert-Überschreitungen (AW-Fenster) und solchen mit Immissionsgrenzwert-Überschreitungen (IGW-Fenster). Ausschlaggebend für die Zuteilung in eine dieser Kategorien ist der Beurteilungspegel in der Mitte des offenen Fensters. Die Lärmschutzverordnung definiert die Belastungsgrenzwerte.

Beim Projekt AW-Fenster nimmt ein von der FALS beauftragtes Projektierungsbüro vor Ort jene Fenster auf, die AW-Überschreitungen aufweisen. Anschliessend erarbeitet das Büro einen Sanierungsvorschlag und eine Kostenschätzung.
Beim Projekt IGW-Fenster findet keine eigentliche Projektierung statt. Das Projektierungsbüro erhebt bei den Eigentümern mittels Fragebogen die erforderlichen Unterlagen. Fenster mit IGW-Überschreitungen müssen nicht zwingend durch Schallschutzfenster ersetzt werden. Verzichtet der Eigentümer auf den Einbau, so wird eine so genannte Verzichtserklärung verfasst, so dass die Ansprüche auf Beiträge verfallen.

Projektfestsetzung

Die im Projekt AW- bzw. Projekt IGW-Fenster erhobenen Daten werden in einem Schallschutzfenster-Projekt zusammengefasst und öffentlich aufgelegt.
Allfällige Einsprachen werden behandelt und fliessen in eine von der Baudirektion verfügte Projektfestsetzung mit ein. In dieser Projektfestsetzung werden auch Erleichterungen nach Art. 14 der Lärmschutzverordnung gesprochen.

Realisierung und Beiträge Schallschutzfenster

AW-Fenster: Das Projektierungsbüro wickelt im Auftrag des Hauseigentümers den Einbau der Schallschutzfenster ab. Es kontrolliert die Arbeiten hinsichtlich Qualität, Kosten und Terminen und leitet die Abnahme. In einem ersten Schritt bezahlt der Hauseigentümer die angefallene Fenster-Rechnung. Aufgrund einer durch das Projektierungsbüro erstellten Kostenzusammenstellung, werden die anspruchsberechtigten Kosten vom Kanton zurückerstattet.

IGW-Fenster:
Der Hauseigentümer ist für den Einbau der Schallschutzfenster zuständig. Bei Fragen kann er aber auf Beratung seitens des Projektierungsbüros zurückgreifen. Aufgrund einer durch das Projektierungsbüro erstellten Kostenzusammenstellung werden die anspruchsberechtigten Kosten vom Kanton zurückerstattet.

Erfolgskontrolle

Die Fachstelle Lärmschutz lässt stichprobenweise Kontrollmessungen am Bau durchführen. Bei Lärmschutzwänden wird die erzielte Wirkung gemessen. Bei Schallschutzfenstern wird geprüft, ob sie in eingebautem Zustand den in der Lärmschutzverordnung definierten Anforderungen genügen.