Strassenlärm

Ziele & Massnahmen

Die Sanierungsfrist für Staatsstrassen läuft am 31. März 2018 ab. Bis zu diesem Zeitpunkt müssen geeignete Massnahmen ergriffen oder Erleichterungen gewährt werden. Ziel ist es, die Immissionsgrenzwerte am offenen Fenster einzuhalten oder wenigstens einen angemessenen Schallschutz im Gebäudeinnern zu erreichen.

Lärmschutzwände und Schallschutzfenster sind statische Massnahmen und bekämpfen die dynamisch zunehmenden Symptome der Mobilität. Dynamischer Schutz vor Strassenlärm geht nicht nur die Symptome an, sondern packt das Übel auch an der Wurzel, also den Lärm an seiner Quelle.
Strassenlärmsanierung ist eine Querschnittaufgabe mit Ansätzen in ganz unterschiedlichen Bereichen, mit klarer Prioritätenfolge:

Die Punkte 1. bis 4. sind im Normalfall nicht Inhalt der Projekte im Rahmen der Lärmsanierungen gemäss LSV.

1. Verkehrs- und Raumplanung

Eine lärmorientierte Verkehrs- und Raumplanung achtet darauf, dass sie so wenig wie möglich neuen Verkehr erzeugt, im Idealfall sogar bestehenden Verkehr zum Verschwinden bringt.

  • Sie bringt Wohnen, Arbeiten, Einkaufen und Erholen näher zueinander.
  • Sie verlagert die Mobilität auf den öffentlichen Verkehr.
  • Sie unterstützt das Mobilitätsmanagement mit Lenkungsmassnahmen und Anreizen.

2. Verkehrslenkung

Den motorisierten Verkehr schleckt die beste Planung nicht weg.
Wo möglich, wird er wenigstens dorthin gelenkt, wo sein Lärm weniger stört.

  • Der Verkehr wird auf Strassen mit wenig angrenzender Wohnnutzung geführt.
  • Der Durchgangsverkehr wird auf das übergeordnete Strassennetz gelenkt.
  • Umfahrungsstrassen werden nur bei hohem Anteil von Durchgangsverkehr vorgesehen.
  • Das Nachtfahrverbot für Lastwagen bleibt aufrechterhalten.
  • Die Naherholungsräume werden vor motorisiertem Verkehr geschützt.

3. Verkehrsberuhigung

Foto eines verkehrsbehruhigten Dorfkernes

 

Verkehrsberuhigte Strasse (Wald).
Der motorisierte Strassenverkehr ist nicht gottgegeben laut. Er lässt sich leiser machen.

  • Geschwindigkeitsreduktionen führen zu Lärmreduktionen.
  • Niedertouriges Fahren ist unter anderem ruhiger.
  • Es gibt verhältnismässig leise Personen- und Lastwagen zum Kaufen.
  • Es gibt verhältnismässig lärmarme Reifen zum Montieren.
  • Es gibt verhältnismässig lärmarme Strassenbeläge zum Einbauen.

4. Verkehrsgestaltung

Velofahren und zu Fuss gehen gehören zu den effizientesten Lärmschutzmassnahmen im Siedlungsgebiet.

  • Ein velo- und fussgängerfreundlicher Innerortsbereich bewegt dazu, mit dem Velo zu fahren oder zu Fuss zu gehen.

5. Lärmschutzwände

Foto einer befahrenen Strasse mit Lärmschutzwand

 

Lärmschutzwand entlang Staatsstrasse (Brüttisellen).
Wände und Dämme sind manchmal als letzte mögliche Massnahme nötig.

  • Eine harmonische Gestaltung und Einbettung verringert die Nebenwirkungen.
  • Eine gezielte Strukturierung bremst zu lautes Fahren.

6. Schallschutzfenster

Schallschutzfenster sind keine geeigneten Massnahmen, um die gesetzten Ziele zu erreichen.

  • Fensterersatz ist nur Ersatzmassnahme
  • Ersatzmassnahmen kommen nur in Frage, wenn sonst nichts mehr geht.

Verkehrs- und Raumplanung, Verkehrslenkung, Verkehrs"beruhigung" und Verkehrsgestaltung werden längerfristig zum Tragen kommen. Die knappe Sanierungsfrist bis 2018 zwingt aber zum sofortigen Handeln. Die kurzfristigen Massnahmen sind Wände und Fenster.

Lärmsanierung und Strassenbau gibt Kombiprojekte

Der geläufigere Begriff für kombinierte Sanierungs- und Strassenprojekte ist "Kombiprojekte" und bezeichnet bauliche Vorhaben mit Lärmsanierungen an Staatsstrassen, deren Auslöser nicht die Lärmsanierungspflicht ist. Sinnvollerweise werden jedoch fällige Lärmsanierungsmassnahmen möglichst in die Planung und Ausführung von solchen Strassenbauprojekten integriert.
Auf den ersten Blick verzögern die Sanierungen in Kombiprojekten die regulären Sanierungsprojekte - aus Kapazitätsgründen. Genau besehen wirken sie allerdings eher beschleunigend, da ein erhebliches Potential an Synergien ausgeschöpft werden kann.