Strassenlärm

Lärmarme Beläge

Abrollgeräusche der Reifen auf der Fahrbahnoberfläche tragen erheblich zur Gesamt-Lärmemission des Strassenverkehrs bei, insbesondere auf Hochgeschwindigkeitsstrecken. Neu entwickelte offenporige und hohlraumreiche Beläge sind stark schallschluckend und reduzieren diese Geräusche erheblich.

Leise Beläge auf Autobahnen im Praxistest

Lärmarme Beläge wurden und werden im Rahmen der Lärmsanierung bereits auf verschiedenen Autobahnabschnitten eingesetzt, in Kombination mit Schallschutzwänden. Die zur Einhaltung der Lärmgrenzwerte notwendige Dimensionierung der Wände fällt günstiger aus wegen der Reduktion des Emissionspegels. Der Einsatz solcher Beläge rechnet sich somit auch finanziell (weniger Kosten für die Wände wegen reduzierter Wandhöhe).
Ausserdem führen die auch Drainbeläge genannten lärmarmen Beläge das Regenwasser viel besser ab, was das Risiko von Aquaplaning stark herabsetzt.
Andere, weniger günstige Eigenschaften schränken den Einsatz dieser Beläge jedoch erheblich ein.

  • Ein durchlässiger Belag erfordert die zusätzliche Abdichtung der Tragschichten mit einer Membrane (mit Splitt abgestreutes Bitumen). h ein.
  • Aus demselben Grund ist eine aufwendige Entwässerung der unteren Belagsschicht notwendig, sofern das Wasser nicht seitlich abfliessen kann.
  • Die Lebensdauer ist mit 12 bis 15 Jahren um etwa 30 - 50 Prozent geringer als bei dichten Belägen.
  • Die fortlaufende Reinigung der schallschluckenden Hohlräume (Selbstreinigungsprozess) ist nur bei hohen Geschwindigkeiten und bei geringer grober Verschmutzung gegeben. Sind sie einmal durch Staub und Schmutz verstopft, ist die Wirkung dahin. Eine künstliche Reinigung mit Wasserhochdruck ist aufwendig und wirkt nur kurzfristig.

Leise Beläge innerorts auf dem Prüfstand

Auch auf weniger schnell befahrenen Strecken tragen Reifengeräusche nicht unerheblich zur Gesamt-Lärmemission bei. Offenporige Beläge zur Emissionsminderung von Staatsstrassen wurden bisher allerdings als eher ungeeignet beurteilt, weil ihre Lebensdauer zu kurz oder ihr Unterhalt zu aufwendig ist.

Grosse Unterschiede bei der akustischen Wirkung

BAFU und ASTRA testen neue Belagsvarianten. Bereits lassen sich einige Schlüsse aus den laufenden Studien ziehen.

  • Twinlayer-Drainbeläge:
    Die höchsten und dauerhaftesten Pegelminderungen mit bis zu 7 Dezibel im Vergleich zu einem durchschnittlichen Schwarzbelag lassen sich mit Twinlayer-Drainbelägen erreichen.
    Diese an sich ausgezeichneten akustischen Eigenschaften können sich allerdings bei mangelhaftem Einbau nach kurzer Zeit drastisch verschlechtern.
  • Feinkörnige SPA- und AC-MR-Beläge:
    Gute Anfangs-Lärmminderungswerte mit 4 bis 5 Dezibel erreichen feinkörnige SPA- und AC-MR-Beläge mit Korngrössen bis 4 mm.
    Sie büssen davon nach dem ersten Jahr im Mittel etwa 1.5 Dezibel ein, sind aber immer noch leiser als vergleichbare Beläge mit 8-er-Körnung.
  • Grobkörnige SPA- und AC-MR-Beläge:
    Fast so gute Anfangs-Lärmminderungswerte von 3 bis 4 Dezibel erreichen grobkörnige SPA- und AC-MR-Beläge (mit 8 mm Grösstkorn).
    Die akustischen Belagsgütewerte vermindern sich im ersten Jahr etwa gleich stark wie jene von Belägen mit 4 mm Grösstkorn.
  • Beimischungen
    Mit Leca-Beimischungen erstellte Beläge, SPA-8-Beläge, Gussasphalte und Abstreuungen oder Beschichtungen (Epoxyharz) erreichen die Anforderungen an einen lärmarmen Belag nicht.

Anspruchsvolle Technik für auserlesene Materialien

Materialwahl und Einbau hat bei allen lärmarmen Belägen hohen Qualitätsansprüchen zu genügen. Besondere Anforderungen stellen sich für den Einbau feinkörniger Beläge. Sie kühlen rasch ab und müssen sofort verdichtet werden. Speziell zu achten ist auf genügende Ebenheit der Unterlage.

Foto von einer Baustelle mit Belagsarbeiten

 

Einbau eines lärmarmen Belages (AC MR4, EOS).
Die Komponente Elektroofenschlacke (EOS) ist ein ökologisch sinnvolles Recyclingprodukt aus der Stahlproduktion mit ausgezeichneten Eigenschaften wie extremer Abriebsfestigkeit und poröser Oberfläche.

Foto eines Lärmarmen Belages

 

Oberflächenstruktur des eingebauten lärmarmen Belages (AC MR4, EOS).
Feinkörniges Mischgut stellt hohe Anforderungen an Produktion und Einbau.

Ein Beispiel im Kanton Genf 2010

Der semidichte 4mm-Belag wurde 2008 eingebaut (Test-Abschnitte im Kanton Genf) und zeigt deutliche Wirkung (Lärminderung: 8 dB; gegenüber altem Belag: 10 dB). Es handelt sich dabei um einen Belag mit einer Korngrösse von 4 mm und einer hohen Porosität, jedoch keiner Wasserdurchlässigkeit.

Beruhigung ist Belärmung

Was an sich eine gute Absicht darstellt, hat kontraproduktive Nebenwirkungen: Kopfsteinpflaster, die zur Verkehrsberuhigung eingesetzt werden, haben alles andere als leise Eigenschaften. Die beim Befahren von Pflasterstein-Belägen produzierten Schallemissionen sind massiv höher im Vergleich zu den Fahrgeräuschen auf normalen Belägen.