Bauvorhaben

LSV-konforme Lüftungsfenster-Praxis

Dem Bundesgerichtsentscheid vom 16. März 2016 folgend ändert der Kanton Zürich seine bisherige Lüftungsfenster-Praxis. Bis zu einer allfälligen Anpassung der LSV sollen die folgenden Überlegungen und Konsequenzen eine rechtskonforme Beurteilung gemäss Art. 31 LSV gewährleisten, unter teilweiser Wahrung der Vorteile der bisherigen Praxis, aber auch mit wenigen verschärfenden Regeln bei der Erteilung von Ausnahmebewilligungen bei Grenzwert-Überschreitungen.
Die Kategorie "Neue Wohnnutzungen im lärmigen Siedlungsraum" wird in die neue Betrachtungsweise integriert, ist als Spezialfall aber hinfällig, zu Gunsten einer übergreifenden und überschaubaren Gesamtlösung.

Wohnräume mit natürlicher Belüftung

Das Lüftungsfenster als massgebender Empfangspunkt wird vom Bundesgericht als nicht USG- und LSV-konform bezeichnet, d.h. die Immissionsgrenzwerte (IGW) müssen an allen Fenstern lärmempfindlicher Räume eingehalten werden.
Ausnahmebewilligungen sind aber möglich – vorab im Zusammenhang mit raumplanerischen Zielsetzungen (v.a. Siedlungsentwicklung nach innen), sofern deren Einhaltung nicht in städtebaulich befriedigender Weise erreicht werden kann und mittels Lüftungsfenstern an den lärmabgewandten Seiten und allfälligen weiteren Massnahmen ein angemessener Wohnkomfort sichergestellt werden kann.

Der Begriff Lüftungsfenster (LF) bezeichnet das am wenigsten belastete Fenster eines lärmempfindlichen Raumes mit einem einfach zu bedienenden Öffnungsmechanismus. Wenn andere (öffenbare) Fenster vorhanden sind, so muss das LF 5% der Bodenfläche betragen. Wenn keine anderen Fenster bzw. nur festverschlossene Fassadenelemente zur Belichtung vorhanden sind, so muss das LF jedoch 10% der Bodenfläche umfassen.

Fenster im Sinne der LSV sind Fenster mit Öffnungsmechanismus bzw. mit Rahmen und Flügel, auch wenn diese verschraubt sind.

Transparente Fassadenbauteile ohne Öffnungsmechanismus sind keine Fenster. Mit solchen Umgehungslösungen liessen sich zwar Ausnahmebewilligungen vermeiden, sie sind aber weder wohnhygienisch sinnvoll noch aus Sicht Lärmschutz zweckmässig.

Betriebsräume mit mechanischer Belüftung

Kontrollierte Lüftung als Massnahme zur Einhaltung der Grenzwerte ist bei Betriebsräumen mit Hauptnutzung Arbeiten gemäss bisheriger Praxis weiterhin zulässig.

Grundsätze Vollzug Baubewilligung

  • An jedem Fenster ist der IGW einzuhalten.
  • Bei verbleibenden Überschreitungen sind alle Massnahmen am Gebäude nach LSV auszuschöpfen.
  • Lüftungsfenster (LF) gilt als Massnahme zur Optimierung und Argument bei der Interessenabwägung zur Erteilung einer Ausnahmebewilligung.
  • Ausnahmebewilligungen sind für alle Räume mit Fenstern über dem IGW notwendig.

Grundsätze Bauvorhaben Wohnen

  • Bauten sollen auf der Baulinie erstellt werden - dadurch entsteht kein wertloses Abstandsgrün.
  • Als primäre Massnahme gelten eine lärmoptimierte Stellung der Baukörper und Anordnung der Nutzungen (Gewerberiegel).
  • Bauliche Massnahmen zum Schutz vor Lärm sollen nur in Form von Nebengebäuden oder strukturell integrierten Wänden erstellt werden und nicht in Form von solitären Lärmschutzwänden.
  • Durch die Schaffung von durchgehenden Räumen soll lärmabgewandtes Lüften ermöglicht
    werden.
  • Gute Wohnqualität bedeutet, dass jede Wohnung auch ruhige Räume und einen ruhigen
    Aussenraum hat.
  • Die Bauten sollen sich städtebaulich gut einordnen und den öffentlichen Strassenraum aufwerten, indem dieser nicht durch abweisende Lärmschutzarchitektur belastet wird.

Wird nach diesen Grundsätzen geplant, ist trotzdem noch nicht gewährleistet, dass an allen Fenstern lärmempfindlicher Räume die IGW eingehalten werden bzw. dass alle lärmempfindlichen Räume über ein Fenster verfügen, bei welchem die IGW eingehalten werden können. Bei grossen Gebäudetiefen können z. B. auch durchgehende Wohnungen nicht mehr so angelegt werden, dass jeder Raum über die Gebäuderückseite gelüftet werden kann. In solchen Fällen können allenfalls Ausnahmebewilligungen erteilt werden.

Farbcode für Raumtypen

Alle lärmempfindlichen Räume werden auf Grund der Belastung an den Fenstern typisiert und zur einfacheren Handhabung in der Praxis mit einem Farbcode belegt:

  • Rot:
    IGW der massgebenden Empfindlichkeitsstufen (ES) an allen Fenstern überschritten
  • Gelb:
    IGW der der massgebenden ES am LF eingehalten
  • Grün:
    IGW der massgebenden ES an allen Fenstern eingehalten