Bauvorhaben

Ermittlungsort der Lärmbelastung

Gesetzliche Grundlagen

§ 302 des Zürcherischen Bau- und Planungsgesetzes (PBG) verlangt, dass Fenster von Wohnräumen ins Freie führen müssen.
Die Lärmgrenzwerte sind gemäss Art. 39 LSV in der Mitte der offenen Fenster einzuhalten.

Art. 39 Ort der Ermittlung

¹Bei Gebäuden werden die Lärmimmissionen in der Mitte der offenen Fenster lärmempfindlicher Räume ermittelt. Fluglärmimmissionen können auch in der Nähe der Gebäude ermittelt werden.

Kein offenes Fenster bei Räumen in Betrieben

Anders als beim Wohnen ist bei der Ausbildung, beim Arbeiten sowie bei Aufenthalten in Hotels und Spitälern der Bezug zur Umgebung kein Muss. Nach Praxis der Fachstelle Lärmschutz des Kantons Zürich wird deshalb eine kontrollierte Belüftung für Schul- und Betriebsräume sowie für Hotel- und Spitalzimmern (lärmempfindliche Wohnräume in Hotels, Spitälern und ähnlichem, mit in der Regel eher kurzer und absehbarer Dauer des Aufenthalts, nicht aber Pflegezimmer mit unbekannter Aufenthaltsdauer) als zweckmässige Lärmschutzmassnahme gewertet. Die Einhaltung der massgebenden Lärmgrenzwerte am offenen Fenster gemäss LSV ist dementsprechend dort nicht erforderlich.
Eine Bewilligung ist bei Belastungen über den Immissionsgrenzwerten allerdings verbunden mit Auflagen bezüglich kontrollierter Belüftung.Hotelzimmer und Spitalzimmer werden lärmempfindlichen Wohnräumen gleichgestellt. Im Unterschied zu Zimmern in Wohnungen entfällt der Beurteilungspunkt am offenen Fenster, wenn eine kontrollierte Belüftung installiert wird. 
Hotelzimmer sind Räumlichkeiten mit einer auf die begrenzte Aufenthaltsdauer ausgelegten baulichen Infrastruktur. Hotels verfügen insbesondere über einen Empfangsbereich mit Rezeption, einen Frühstücksraum und einen Reduitbereich, in dem die Gäste nach der Abgabe des Zimmers ihr Gepäck aufbewahren können. Hotelzimmer zeichnen sich auch dadurch aus, dass die Zimmer täglich gereinigt und die Betten gemacht werden.

Offenes Fenster bei Wohnräumen

Beim Wohnen heisst "im offenen Fenster messen" auch mit offenem Fenster leben. Art. 39 LSV und § 302 PBG garantieren in ihrer Kombination die Qualität einer Wohnlage bezüglich Lärmbelastung.

Ausschlaggebend ist, dass das offene Fenster eine Verbindung zum Aussenraum schafft. Ein Fenster führt dann ins Freie, wenn der Weg ins Freie weder durch Bauwerke oder Erdmasse eingeschränkt wird. Ein Blick ins Freie durch eine Glaswand genügt nicht, damit sich dieses Gefühl einstellt.

Architektonisch bedeutet dies:

  • Die Fensteröffnung muss auf der ganzen Strecke vom Fensterrahmen bis zum Freien mindestens die gleichen Ausmasse besitzen.
  • Bei Fassadenfenstern muss die Sicht ins Freie auf Gesichtshöhe (ca. 1.5 m) und horizontal gewährleistet sein. Diese Höhe entspricht auch der Messhöhe im Freien nach Art. 39 LSV.
  • Die Lüftungswege dürfen keine anderen Wohneinheiten beeinträchtigen (z. B. durch Gerüche oder Geräusche).
  • Fenster müssen einen angemessenen Luftaustausch gewährleisten. Sie müssen mindestens 50 cm breit und 1 m hoch sein. Dies garantiert eine zur Lüftung notwendige vertikale Temperaturdifferenz.
  • Lüftungsfenster müssen als Drehfenster um mindestens 90 Grad oder als Schiebefenster geöffnet werden können und dürfen keine reinen Kippfenster sein.

Beurteilungspunkt

Art. 39 Abs. 1 LSV bestimmt auch, dass in der Mitte dieses offenen Fensters gemessen bzw. für diesen Punkt die Belastung berechnet werden muss. Die Fenstermitte ist als Stellvertreter für die ganze Fensterfläche zu verstehen. Wird eine Lärmschutzmassnahme für die geometrische Fenstermitte berechnet oder an diesem Ort gemessen, so ist eine Wirkung nur anrechenbar, wenn im Innern des Raumes tatsächlich eine Lärmminderung nachgewiesen werden kann.
Berechnungen für die Fenstermitte sind dann problematisch, wenn sich aufgrund einer Hinderniswirkung im Fensterbereich grosse Pegelunterschiede ergeben. Als gültige Annäherung darf bei gängigen Raumfenstern und Balkontüren für Messungen und Berechnungen als Mitte eine Höhe von 1.5 m über dem Fussboden anzunehmen angenommen werden.
Ist nicht die ganze Fensterfläche öffenbar, so gilt die Mitte des öffenbaren Teils.
Bei Lärmberechnungen befindet sich der massgebende Empfangspunkt in der Fassadenflucht. Aspektwinkelreduktionen durch die Fensterbrüstung dürfen somit nicht berücksichtigt werden, da diese in der Praxis meist durch Reflexionen wieder kompensiert werden. 

Fenster und Lüftungsfenster

Gemäss LSV muss der Nachweis erbracht werden, dass der IGW in der Mitte des Lüftungsfensters der lärmempfindlichen Räume eingehalten werden kann.
Fenster im Sinne der LSV sind Fenster mit Öffnungsmechanismus bzw. mit Rahmen und Flügel, auch wenn diese verschraubt sind.
Das Lüftungsfenster (LF) ist das am wenigsten belastete Fenster eines lärmempfindlichen Raumes.
Wenn andere (öffenbare) Fenster vorhanden sind, so muss das LF 5% der Bodenfläche betragen. Wenn keine anderen Fenster bzw. nur festverschlossene Fassadenelemente zur Belichtung vorhanden sind, so muss das LF jedoch 10% der Bodenfläche umfassen. Das Planungs- und Baugesetz des Kantons Zürich (PBG) verlangt in § 302, dass die Fensterflächen für eine genügende Belichtung wenigstens 10 % der Bodenfläche des betreffenden Raumes betragen müssen.
Das Lüftungsfenster darf nicht durch andere Lärmarten über dem IGW belastet sein (Mehrfachlärmbelastungen).

Lüftungsfenster

Mit der Massnahme "Lüftungsfenster" wird die Grundrissoptimierung nach Art. 31 LSV in der Praxis realisierbar. Eine Ausnahmebewilligung wird jedoch benötigt, wenn ein Fenster pro Raum den Grenzwert nicht einhält.
Wichtig im Sinne eines praktizierten Lärmschutzes ist die Möglichkeit einer lärmabgewandten Lüftung unter dem Grenzwert. Fenster mit Grenzwertüberschreitungen dürfen öffenbar sein.

Transparente Fassadenbauteile

Das Bau- und Planungsgesetz des Kantons Zürich verlangt in § 302, dass Wohn- und Schlafräume mit Fenstern zu versehen sind, welche in ausreichendem Masse geöffnet werden können. Abweichungen sind bei besonderen Verhältnissen möglich, aus Lärmschutzgründen jedoch nicht notwendig.

Festverglasungen und transparente Fassadenbauteile sind wohnhygienisch problematisch. Sie erfüllen einen wichtigen Zweck des Fensters, die offene Verbindung von innen nach aussen, nicht und sind somit für die Bewohner unattraktiv. Die Belüftung der Räume muss anderweitig erfolgen und eine energetisch sinnvolle Stosslüftung wird verunmöglicht. Zudem wird die Aussenreinigung schwierig und muss für die oberen Geschosse technisch aufwändig gelöst werden.

Um im Wohnungsbau solche Konstruktionen zu verhindern, wird der Fensterbegriff gemäss kantonaler Praxis und der Vollzugshilfe Nr. 2.0 des Cercle Bruit Schweiz zum Bauen im Lärm weit gefasst. Dies entspricht auch der bundesgerichtlichen Sichtweise, die auch nicht oder nur teilweise öffenbare Fenster als massgeblichen Ermittlungsort beurteilt (BGE 122 II 33). Fenster im Sinne der LSV sind Fenster mit Öffnungsmechanismus bzw. mit Rahmen und Flügel, auch wenn diese verschraubt sind. Festverglasungen und transparente Fassadenbauteile gelten ebenfalls als Fenster, wenn ihre Schalldämmung wesentlich (> 5 dB) von derjenigen der restlichen Fassade abweicht.

Folglich gelten nur transparente Fassadenbauteile ohne Öffnungsmechanismus und mit entsprechend hoher Schalldämmung nicht als Fenster. Aus Sicht des Lärmschutzes und des Wohnkomforts sind transparente Fassadenbauteile bei Wohn-bauten weder sinnvoll noch zweckmässig, auch wenn sich damit Ausnahmebewilligungen nach Art. 31 Abs. 2 LSV vermeiden liessen.

Dachflächenfenster und Oberlichter

Oberlichter (Flachdächer) und Dachflächenfenster (Schrägdächer) kommen in den Genuss einer vollständigen Abschirmung durch das Gebäude selbst.
Oberlichter sind grundsätzlich Belichtungsfenster ohne Bezug zum Aussenraum.
Bei Dachflächenfenstern im Schrägdach ist der verlangte Bezug zum Aussenraum vorhanden, wenn auch beschränkt. Die untere Kante solcher Fenster darf nicht höher als 1.5 m ab Fussboden sein. Höhere Fenster haben keinen Bezug zum Aussenraum und gelten analog zu Oberlichtern nur als Belichtungsfenster.
Dachflächenfenster müssen auf einfache Weise genügend weit öffenbar sein und ein witterungsunabhängiges Lüften ermöglichen (durch Schiebefenster nicht gewährleistet)
und dürfen in geöffnetem Zustand keine Reflektorwirkung ("Schallfänger") entwickeln.

Dachfenster - Reflexionen & maximale Höhe

Unerwünschte Reflektorwirkung bei geöffnetem Dachflächenfenster. Die untere Kante des Dachflächenfensters darf nicht höher als 1.5 m ab Fussboden sein.

Lüftungstüren

Eingangstüren zu Wohneinheiten sind keine Lüftungsfenster.
Sitzplatztüren gelten analog zu Balkon- und  Loggia-Türen als Lüftungsfenster.
Aspekte der Sicherheit sind bei allen leicht zugänglichen Fenstern angemessen zu berücksichtigen.

Lärmabgewandte Lüftung durchgehender Räume

Als durchgehender Raum gelten grundsätzlich nur mehrere verbundene Raumteile - Wohnen, Essen, Küche - die sich auf derselben Etage befinden und nicht durch Türen und/oder Erschliessungsbereiche von einander getrennt werden können.
Sollen durchgehende Räume, die zwischen einer lärmexponierten und einer ruhigen Gebäudeseite liegen, mit den lärmabgewandten Fenstern belüftet werden, so müssen folgende Bedingungen erfüllt werden (vgl. Abb. unten):

  • Der Raum-Mittelpunkt des lärmbelasteten Raumes befindet sich höchstens 2 m von der stärkst belasteten Aussenfassade und in der Mitte der parallel zu dieser Aussenfassade gemessenen Raumlänge bzw. -breite.
  • Die Distanz zwischen Raum-Mittelpunkt und Lüftungsfenster darf nicht mehr als 12 m betragen. Die Distanzlinie muss vollständig im Raum verlaufen. Sie muss nicht eine Gerade sein.
  • Die Breite an der schmalsten Raumstelle muss gesamthaft mindestens 1.5 m betragen. Möglich sind höchstens zwei 'Durchlässe' mit je einer minimalen Breite von 0.5 m.
  • Die Breite an der schmalsten Raumstelle muss gesamthaft mindestens 1/5 der Distanz zwischen dem Raum-Mittelpunkt und dem Lüftungsfenster betragen.
  • Die Raumhöhe entlang dieser Linie darf nicht durch Einbauten (Küchenkombinationen, Kästen, Stürze usw.) vermindert werden.

 

 

In einzelnen geometrisch einfachen Fällen gilt Analoges auch für vertikale Umwege zwischen Lüftungsfenster und Raum-Mittelpunkt (Höhe: 1.5 m). Jede Lösung muss aber eine effiziente Lüftungsmöglichkeit garantieren. Dazu gehört auch die entsprechend dem grösseren Raumvolumen grössere Mindestfläche für das Lüftungsfenster (Skizze unten: Fläche Wohnraum EG zählt doppelt).