Bauvorhaben

Lärmrelevante Räume

Definition nach LSV

Die LSV unterscheidet zwischen relevanten lärmempfindlichen Räumen in Wohnungen und solchen in Betrieben (Art. 2 Abs. 6 LSV).

Art. 2 Abs. 6 LSV

Lärmempfindliche Räume

a. Räume in Wohnungen, ausgenommen Küchen ohne Wohnanteil, Sanitärräume, Korridore und Abstellräume;

b. Räume in Betrieben, in denen sich Personen regelmässig während längerer Zeit aufhalten, ausgenommen Räume für die Nutztierhaltung und Räume mit erheblichem Betriebslärm.

Nutzungsmöglichkeit, nicht Nutzungsabsicht

Nach Art. 34 LSV muss in einem Baugesuch die Nutzung der Räume bezeichnet werden. Räume dürfen nur als nicht lärmempfindlich bezeichnet werden, wenn für das vorgesehene Bauvorhaben eine lärmempfindliche Nutzung ausgeschlossen ist. Entscheidend ist demzufolge nicht die beabsichtigte, sondern die auf Grund von baulichen und infrastrukturellen Gegebenheiten mögliche Nutzung eines Raumes.

Wohnräume

In Wohnungen gelten alle Wohn-, Ess- und Schlafräume als lärmempfindlich. Nicht lärmempfindlich sind Korridore, kleine Abstellräume sowie Sanitärräume.

Küchen

Bei Küchen wird zwischen Wohnküchen, Essküchen und Arbeitsküchen unterschieden.

Wohnküchen:
In offenen Kombinationen von Wohnen, Essen und Kochen gilt der Küchenbereich als Teil eines lärmempfindlichen Wohnraums.
Auf das Lüftungsfenster solcher Raumkombinationen können die Regeln für durchgehende Räume angewendet werden.  

Essküchen:
Geschlossene Küchen (baulich separiert, Türe), die Platz bieten für einen Esstisch, gelten als lärmempfindliche Wohnräume.
Wenn eine Nutzung zu Schlafzwecken ausgeschlossen werden kann, sind nur die Grenzwerte der Tagperiode massgeblich.

Arbeitsküchen:
Geschlossene Küchen (baulich separiert, Türe) mit einer Fläche von unter 6 m² bieten keinen Platz für einen Esstisch und gelten deshalb als nicht lärmempfindliche Räume.

Abstellräume

Abstellräume resp. Reduits sind kleiner als 10 m² und haben keine direkt ins Freie führende Fenster oder lediglich Fenster, die weniger als 10% der Bodenfläche betragen. Zudem darf der Raum nicht beheizbar sein.

Hotel- und Spitalzimmer

Hotelzimmer und Spitalzimmer werden in Anbetracht ihrer Hauptnutzung grundsätzlich wie Wohnräume beurteilt. Wegen der zeitlich beschränkten Wohnnutzung entfällt aber der Beurteilungspunkt am offenen Fenster, wenn eine kontrollierte Belüftung installiert wird.
Handelt es sich um Räumlichkeiten mit erhöhtem Wohncharakter, fällt auch die kontrollierte Belüftung als Massnahme ausser Betracht.  

Hotelzimmer und Apparthotelzimmer
Hotelzimmer sind Räumlichkeiten im eher touristischen Umfeld, mit für eine Aufenthaltsdauer von Tagen bis wenigen Wochen ausgelegten baulichen Infrastruktur. Hotelzimmer verfügen über keine fest installierte Kochgelegenheit. Hotels verfügen üblicherweise über einen Empfangsbereich mit Rezeption und einen Frühstücksraum, in der Regel auch über erweiterte Vorrats- und Hygieneräume.
Räumlichkeiten mit Kochgelegenheit in Aparthotels und in Bauten mit ähnlichen Funktionen, mit einer Aufenthaltsdauer von Wochen bis Monaten, sind Wohnungen, auch wenn sie von hotelartigen Dienstleistungen profitieren können. Als Wohnungen werden sie entsprechend am offenen Fenster beurteilt. Eine kontrollierte Belüftung kommt als Massnahme nicht in Frage.

Spitalzimmer und Pflegezimmer
Spitalzimmer sind Räumlichkeiten in Akutspitälern, mit einer Aufenthaltsdauer von einigen Tagen bis wenigen Wochen bis zur medizinisch angezeigten Entlassung.
Pflegezimmer sind Räumlichkeiten in Alters- und Pflegeheimen, mit einer Aufenthaltsdauer von Wochen bis Monaten oder Jahren. Es sind Wohnungen, auch wenn sie von spitalartigen Dienstleistungen profitieren können.
Entsprechend werden sie am offenen Fenster beurteilt. Eine kontrollierte Belüftung kommt als Massnahme nicht in Frage.

Schulzimmer und Bibliotheken

Schulzimmer und Bibliotheksräume bzw. Leseräume in Bibliotheken sind gleich zu beurteilen wie lärmempfindliche Räume in Wohnungen. Analog zu den Hotelzimmern ist auch hier eine kontrollierte Belüftung als Lärmschutzmassnahme zulässig. Das Sekretariat und weitere Büroräume in Schulen gelten als lärmempfindliche Betriebsräume. Alle Räume mit einer kurzen Aufenthaltsdauer (Archiv, Kopierraum) werden als nicht lärmempfindlich beurteilt.

Beispiele für lärmempfindliche Wohnräume und analog eingestufte Betriebsräume:

  • Wohnzimmer, Schlafzimmer, Wohnesszimmer,
    Kinderzimmer, Wohnküchen
  • Schulzimmer, Vortragsräume
  • Bibliotheken, Lesezimmer
  • Spitalzimmer und Wohnzimmer in Heimen
  • Kirchenräume

Standortgebundene Betriebswohnungen

Auch in einer rechnergesteuerten Produktions- und Arbeitsumgebung wird gelegentlich geltend gemacht, dass in Industrie- und Gewerbezonen Wohnungen für Personal und Angehörige bereitgestellt werden müssten, um einen reibungslosen 24-Stunden-Betrieb gewährleisten zu können.
Pro Betrieb ist aus raumplanerischer Sicht aber allenfalls höchstens eine standortgebundene Betriebswohnung zulässig. In Betracht zu ziehen ist insbesondere, dass lärmemittierende Anlagen in der näheren Umgebung gegenüber einer Wohnnutzung strengere Grenzwerte einzuhalten haben.
Aus Sicht des Lärmschutzes darf eine solche Wohnung ausserdem keine IGW-Überschreitungen (Strassen-, Bahn- und Schiesslärm) ausweisen, da unter Ausschöpfung aller Massnahmen eine LSV-konforme Lösung möglich sein muss. Dementsprechend können für solche Vorhaben keine Ausnahmebewilligungen wegen überwiegendem Interesse in Aussicht gestellt werden.

Betriebsräume

Lärmempfindliche Betriebsräume sind solche, in denen sich Personen regelmässig während längerer Zeit aufhalten (z. B. Büros). Ausgenommen sind Räume für die Nutztierhaltung und Räume mit erheblichem Betriebslärm.
Da in einem Betriebsraum höhere Grenzwerte gelten und andere Massnahmen zulässig sind, ist eine klare Abgrenzung zur Wohnnutzung notwendig. Als Betrieb gilt eine Zusammenfassung personeller und sachlicher Mittel zu einem wirtschaftlichen Zweck. Der Begriff "Betrieb" umfasst sowohl industrielle und gewerbliche als auch Handels- und Dienstleistungsbetriebe.

Räume mit erheblichem Betriebslärm

Bei Räumen mit einer höheren Eigenlärmproduktion verringert sich die Störwirkung des Aussenlärms. Als Richtwert für erheblichen Betriebslärm gilt, abhängig von der jeweiligen Tätigkeit, ein äquivalenter Dauerschallpegel (Leq) von 65 bis 70 dB am Arbeitsplatz. Dieser Pegel entspricht in etwa dem in der LSV festgelegten oberen Belastungsgrenzwert für Aussenlärm-Belastungen.

Gaststuben

Bei gastwirtschaftlichen Betrieben ist es wesentlich, wie hoch der selbsterzeugte Innenlärmpegel ist. Für ruhige Gaststuben ohne kontrollierte Belüftung gelten die Grenzwerte für Wohnräume. Gaststuben mit kontrollierter Belüftung werden nach den Kriterien von Betriebsräumen beurteilt. Nicht lärmrelevant sind Gaststuben dann, wenn von einem erheblichen Betriebslärm ausgegangen werden muss (z. B. Tanzlokal, Musikbar etc.).

Beispiele für lärmempfindliche Räume in Betrieben:

  • Büroräume, Grossraumbüros, Konferenzräume
  • Produktionshallen und Werkstätten ohne erheblichen Betriebslärm
  • Einkaufsläden mit geringem Innenlärm
  • Speiserestaurants, Cafés
  • Schulungs- und Vortragsräume
  • Bibliotheken
  • Arbeitsräume in Spitälern und Heimen
  • Therapieräume und Arztpraxen
  • Empfangs- und Warteräume bei längerer Aufenthaltsdauer


Beispiele für nicht lärmempfindliche Räume in Betrieben:

  • Produktionshallen und Werkstätten mit erheblichem Betriebslärm
  • Einkaufsläden mit erheblichem Innenlärm
  • Ausstellungsräume ohne Büroanteil
  • Wäschereien
  • Diskotheken, Spielsalons
  • Scheunen, Stallungen
  • Lager- und Abstellräume