Bauvorhaben

Giardino, Schlieren

Eine Kombination von "Lärmschutzriegel" und "Offene Gebäudeform" bietet den Bewohnerinnen und Bewohnern der erneuerten Wohnsiedlung Giardino in Dietikon nicht nur neue Wohnformen, sondern auch optimalen Schutz vor den Immisionen der unmittelbar angrenzenden Bernstrasse und vor den zusätzlichen Belastungen durch die Engstringerstrasse.

Situation / Probleme

Die Wohnsiedlung der GEWOBAG (Gewerkschaftliche Wohn- und Baugenossenschaft Zürich) an der Feldstrasse und am Floraweg in Schlieren wurde zwischen 1946 und 1957 erstellt. In der Zwischenzeit haben sich die Bedürfnisse der Mieter und der Genossenschaft gewandelt.

Neubau statt Sanierung

Eine Untersuchung ergab, dass eine Sanierung nicht möglich ist. Der Vorstand der GEWOBAG hat sich im Frühjahr 2002 entschlossen, einen Architekturwettbewerb zu starten. Hauptziele der Studien sollten die Verbesserung der Wohnqualität sowie ein differenzierter Wohnungsmix sein. Die Erneuerungsbauten sollten etappiert ausgeführt werden können.

 

Die Wohnsiedlung der GEWOBAG wurde vor 50 Jahren in relativer Ruhe erstellt.

Abbildung eines Kartenausschnittes

 

Bernstrasse und Engstringerstrasse sind unterdessen deutlich lauter geworden.

Von Lärm umzingelt

Das Areal der Wohnsiedlung grenzt an die Engstringerstrasse und an die Bernstrasse mit ansehnlichen Fahrzeugmengen und entsprechenden Emissionen:

Von Lärm umzingelt

 BernstrasseEngstringerstrasse
Anzahl Motorfahrzeuge täglich16'01213'218
Anteil Schwerverkehr Tag 8.8%4.3%
Anteil Schwerverkehr Nacht5.6%2.2%
Emissionspegel Tag (dB)79.6 dB77.5 dB
Immissionspegel Tag67.5 dB
(Abstand: 16 Meter*)
59.7 dB
(Abstand: 60 Meter*)
Emissionspegel Nacht (dB)71.8 dB69.7 dB
Immissionspegel Nacht (dB)59.7 dB
(Abstand: 16 Meter*)
51.9
(Abstand: 60 Meter*)
* Kleinster Abstand von Strassenmitte bis Fassade bestehender Bauten  

Ziel / Konzept

Das Projekt Giardino will einen Wechsel in der Lebens- und Wohnkultur bewirken. Es soll eine Wohnsiedlung in Form einer urbanen Gartenanlage erstellt werden, die neuste Wohnformen in Kombination mit naturnahen Elementen enthält. Mit architektonischen Massnahmen und einer sinvollen Etappierung soll eine attraktive Lösung im Kampf gegen die hohen Lärmimmissionen gefunden werden.

Der Standortnachteil der lärmbelasteten Wohnzone soll darüber hinaus durch spezielle Attraktionen kompensiert werden: Grosszügige Zimmer und Nebenräume für erhöhten Wohnkomfort, Terrassen und grosse Balkone als zusätzliche Wohnzimmer.

Gliederung

Abbildung eines Planes der Gebäudegliederung

Grundsätzlich wird die Gliederung von den bestehenden Siedlungsstrukturen übernommen. Die neu gegen Süden abgestufte Bauweise ist nicht nur als Schallschutzmassnahme sinnvoll, sondern bildet ein harmonisches Ansteigen von der neuen Zone der 1-geschossigen Bauten an der Strassenfront bis zur Zone der 5-geschossigen bestehenden westlichen und östlichen Nachbarliegenschaften.

Etappierung

Abbildung eines Plans der Etappierung

Da sich die Gliederung nach den bestehenden Siedlungsstrukturen ausrichtet, ist grundsätzlich ein Etappieren in verschiedenen Varianten möglich. Sinnvollerweise ist jedoch der südliche und südöstliche Siedlungsteil als erste Etappe vorzusehen. Er wirkt als Lärmriegel für die nördlich und nordwestlich gelegenen Bauten.

Erschliessung

Abbildung eines Planes der Verkehrserschliessung

Die Erschliessung für Motorfahrzeuge wird auf ein Minimum reduziert. Die periphere Anordnung der Besucherparkplätze und der Zufahrten in die Tiefgarage ermöglicht eine absolut verkehrsfreie Siedlung.

Freiräume

Abbildung eines Planes der Freiräume

Durch die Einbindung des öffentlichen Strassenraumes der Feldstrasse sowie des Floraweges wird ein Zusammenschluss der Gesamtsiedlung erreicht. Die beiden alten Zufahrten werden zum Fussweg und damit für das angrenzende Wohnen massiv attraktiver. Ehemaliger Strassenraum wird zur Spiel- und Begegnungszone.

Projekt / Details / Lärm

Gesamtprojekt

Abbildung einer Animation des fertiggestellten Projektes

 

Aufsicht von Westen

Abbildung einer Animation des Projektes

 

Aufsicht von Süden

Abbildung einer Animation des fertiggestellten Projektes

 

Ansicht von Süd(osten)

Abbildung einer Animation des fertiggestellten Projektes

 

Ansicht von Westen

Abbildung eines Animationbildes der Fassade
Ansicht auf Hausreihe 1

Abbildung eines Animationbildes der Fassade
Ansicht auf Hausreihe 2

Abbildung eines Animationbildes der Fassade
Ansicht auf Hausreihe 3

Details

Angrenzend an die Bernstrasse werden Ateliers und Hobbyräume platziert (rechts im Bild). Dank genügender Schalldämmung können sie von südlicher Ausrichtung profitieren, trotz hohem Aussenlärm.

Der Zwischenraum bis zur nächsten Baugruppe ist Spiel- und Freizeitraum. Höhenmässig optimal abgestimmte Atelierbauten mit Laubengängen bilden harmonische Übergänge. Die unattraktive Wirkung der üblichen Lärmschutzwände entfällt.

Abbildung einer Animation des fertiggestellten Projektes

Im Zentrum der Siedlung soll ein Begegnungsraum entstehen, der für verschiedenste Aktionen und Siedlungsveranstaltungen geeignet ist. Die zentrale Hartplatzfläche wird mit langgezogenen Brunnenanlagen abgeschlossen. Wasser soll Ruhe, aber auch Spiel darstellen. Die umlaufende Pergola bildet einen Rahmen vor den Hauszugängen.

Abbildung einer Animation vom fertiggestellten Projekt

Die Siedlungsachse ist die eigentliche Sammel-"Strasse", jedoch nur für Fussgänger. Die Gebäudeabstufung sowie die grossen Gebäudeabstände gewährleisten die angestrebte Offenheit des Platzes. Die Brunnenanlagen wirken als Verbindungselement zwischen dem West- und Ostflügel der Platzrandbebauung. Das Medium "Wasser" verbindet mit dem Himmel.

Abbildung einer Animation vom fertiggestellten Projekt

Giardino ist eine städtisch-urbane Gartenanlage, die neue Wohnformen mit Natürlichkeit kombiniert. Jedoch nicht verwinkelt und unübersichtlich, sondern offen und hell - gemäss dem Motto der Überbauung. Eine leichte Pergola mit Rebenbewuchs bildet Hauptachsen und Platzumrandungen.

In der Südostecke des Grundstückes steht ein zweigeschossiges, multifunktionales Gebäude. Das Gebäude bildet den östlichen Abschluss des Lärmschutzes gegen die Bernstrasse und vermindert den im Wohnareal anfallenden Strassenlärm der Kreuzung.

Abbildung des Grundrissplanes vom Kinderhort

Im Erdgeschoss erhält der Bau halböffentliche Nutzungen wie Kinderhort, Quartiercafé und einen Gemeinschaftsraum. Die Ausrichtung der Räume ist zu Strasse und Kreuzung hin orientiert, um eine Lärmbelästigung der Giardino-Bewohner zu verhindern.
Der Kinderhort ist weit weg von der stark befahrenen Bernstrasse. Das angrenzende Grundstück in der Freihaltezone bleibt Spielplatz für Kinder.
Das Quartiercafé bietet mit dem angrenzenden gedeckten Sitzplatz eine kleine Oase der Ruhe. Gleichzeitig dient seine Infrastruktur auch bei der Nutzung des Gemeinschaftraums. Dieser Raum bietet den Anwohnern die Möglichkeit, kleinere Anlässe zu veranstalten.

Lärm

Bauelemente mit verschiedenen akustischen, visuellen und baulichen Eigenschaften bilden zusammen Räume und Abgrenzungen, haben insgesamt eine harmonische Architektursprache und sind unter dem Strich eine attraktive Lösung gegen die Lärmimmissionen von der Bernstrasse. Das Bild der Siedlung ist auch von der Bernstrasse aus überzeugend und einladend. Die Sicht vom Innenbereich nach aussen bleibt gewährleistet. Der langgestreckte Grenzbereich zur Kantonsstrasse hin wird aufgelockert.

Abbildung eines Animationbildes mit Akkustikelementen

 

Atelierbauten aus Richtung Bernstrasse; Höhe Lärmschutz: 4.75 Meter

Abbildung eines Animationbildes mit Akkustikelementen

 

Atelierbauten aus Richtung Siedlung

Dem Gebiet Giardino ist die Lärm-Empfindlichkeitsstufe ES II zugeteilt. Die Immissionsgrenzwerte laut Lärmschutzverordnung betragen demnach für Wohnräume 60 dB am Tag und 50 dB in der Nacht. Im Lärmgutachten zum Projekt wird attestiert, dass diese Grenzwerte an den relevanten Messpunkten (Lüftungsfenster) eingehalten werden.

In der Grafik (oben) gut ersichtlich ist nicht nur die Schutzwirkung der Lärmschutzwand (Bernstrasse), sondern auch die Wirkung der Riegelbauweise sowie die grossen Bereiche im "Lärmschatten" der Gebäude.