Lärmdisplay

Auszug RRB Nr. 1503

Regierungsratsbeschluss (RRB) Nr. 1503 (1. Juli 1998, Auszug)

Auf Antrag der Baudirektion beschliesst der Regierungsrat: "(...)

Vor allem die prekäre finanzielle Situation des Kantons verlangt heute nach neuen Wegen. Beim Strassenlärm wird daher neben den bisherigen Sanierungen vermehrt Quellenlärmbekämpfung betrieben. Diese lässt sich in drei Bereiche aufteilen:

  • Information der Bevölkerung;
  • Förderung eines lärmarmen Verhaltens der Verkehrsteilnehmer;
  • Massnahmen im Kompetenzbereich des Staates (Bund/ Kanton/Gemeinde).

Die Bevölkerung ist für die Lärmproblematik durch entsprechende Information zu sensibilisieren. Das Wissen um die Störwirkung, die gesundheitlichen Auswirkungen und die volkswirtschaftlichen Kosten von Lärmbelastungen bildet die Grundlage zu einem lärmarmen Verhalten und Handeln. Die Informationen zu den Lärmauswirkungen sind demnach eine besondere Form von Lärmschutzmassnahmen an der Quelle.

Ein wichtiger Kreis von Lärmverursachern, die Motorfahrzeugführerinnen und -führer, soll durch spezifische Aktionen und Informationen dazu bewogen werden, weniger Lärm zu verursachen durch:

  • Niedertourige Fahrweise: Ein grosses Potential liegt bei der individuellen Fahrweise. Die Fahrzeugtechnologie hat hochelastische Motoren entwickelt, deren Möglichkeiten aber nur selten genutzt werden. Mit den heutigen Motorfahrzeugen ist es problemlos möglich, niedertourig und damit ruhig zu fahren, ohne längere Fahrzeiten oder Motorenprobleme in Kauf nehmen zu müssen. Im Stadtverkehr könnte dadurch der Lärmpegel um rund 4 Dezibel (dB) vermindert werden, was von der Wirkung her mehr als einer Halbierung der Verkehrsmenge entspräche.
  • Kauf eines leisen Autos: Nicht jedes Motorfahrzeug ist gleich laut. Obwohl die Grenzwerte der Typenprüfung immer strenger werden, variieren die Lärmwerte der einzelnen Automobile um mehrere Dezibel.
  • Montage lärmarmer Reifen: Ab rund 50 km/h werden die Reifen-/ Fahrbahngeräusche der Personenwagen - vor dem Motorenlärm - zur dominanten Lärmquelle. Im Extremfall erzeugen sechs leise Reifen so viel Lärm wie ein lauter Pneu gleicher Breite. Im Mittel kann durch lärmarme Reifen der Verkehrslärm etwa um 3 dB vermindert werden.
  • Umsteigen auf den öffentlichen Verkehr: Wer Bahn, Tram und Bus benützt, der leistet nicht nur einen Beitrag für bessere Luft, sondern verursacht auch gesamthaft weniger Lärm.

Seitens des Staates fallen folgende Massnahmen in Betracht:

  • Lärmarme Strassenbeläge: Neben den nur für hohe Geschwindigkeiten geeigneten Drain-Belägen werden heute für den Innerortsbereich auch Beläge mit Wirkungen von rund 2 dB, welche die Anforderungen an Lebensdauer und Sicherheit erfüllen, eingebaut. Hinzu kommt, dass diese Beläge die Geräuschfrequenzen nach unten verschieben und dadurch als weniger lästig empfunden werden. Der Einbau erfolgt im Rahmen der ohnehin anfallenden Unterhaltsarbeiten.
  • Geschwindigkeitsreduktionen: Führen Autobahnen an Siedlungsgebieten vorbei, können mit Tempo 80 statt 120 die Lärmimmissionen um rund 3 dB vermindert werden. Geeignete Situationen sind selten und können oft schon mit baulichem Lärmschutz entschärft werden. Im Innerortsbereich kann mit einer gleichmässigen Fahrweise auf tiefem Geschwindigkeitsniveau - z. B. durch Einengen des Strassenraums und Drosseln der Geschwindigkeit bereits bei der Ortseinfahrt - der Lärm ebenfalls um bis zu 3 dB vermindert werden.
  • Lärmgerechte Verkehrsabgaben: Anzustreben ist eine auch vom Lärmpotential eines Fahrzeuges abhängige Verkehrsabgabe. Das Lärmpotential ist u.a. abhängig vom Gewicht des Fahrzeuges und von der Tourenzahl. Aus der Sicht des Lärmschutzes, aber auch der Lufthygiene ist deshalb eine Besteuerung aufgrund des Gewichtes und der Leistung anstatt des Hubraums für die Zukunft ins Auge zu fassen.
  • Lärmarme Lastwagen: Ein Lastwagen ist so laut wie 10 bis 15 Personenwagen. Mit technischen Massnahmen am Motor und geeigneter Bereifung lassen sich die Emissionen von Lastwagen gegenüber dem heutigen Stand noch um mindestens 5 dB vermindern. In eine bessere Motorenkapselung und in leisere Pneus wird jedoch nur investiert, wenn durch Vorschriften die entsprechenden Anreize geschaffen werden. Zuständig sind in diesem Bereich die Bundesstellen.
  • Die Wahl des Transportmittels bestimmt den
    Lärmausstoss mit: Es sind deshalb alle Vorkehrungen zu unterstützen, welche vor allem eine Verlagerung des Güterverkehrs von der Strasse auf die Schiene bringen. Auch der Kanton leistet dabei seinen Anteil.
  • Raumplanung: Lärmschutz ist auch eine Aufgabe der Raumplanung. Insbesondere dürfen die Distanzen zwischen den Grundfunktionen Wohnen-Arbeiten-Versorgen-Erholen nicht weiter anwachsen, sondern müssen eher kürzer werden. Zudem sollen die nach wie vor zunehmenden Verkehrsbedürfnisse möglichst mit dem öffentlichen Verkehr bewältigt werden können. Der neue kantonale Richtplan vom Januar 1995 hat diese Zielsetzungen unter anderem mit der Bezeichnung von Zentrumsgebieten aufgenommen. Die Leitlinie 2 der Richtplanung richtet die Entwicklung der Siedlungsstruktur zudem schwerpunktmässig auf den öffentlichen Verkehr aus.

Auch wenn die einzelnen Massnahmen an der Quelle für sich allein keine aufsehenerregenden Resultate bringen, führen sie in ihrer Kombination doch zu spürbaren Pegelreduktionen. Langfristig gesehen ist dieser Weg erfolgversprechender und effizienter als der Bau von Lärmschutzwänden auf dem Ausbreitungsweg oder von Schallschutzfenstern am Immissionsort.

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