Studien

Wirkung von Lärm auf Tiere

Abbildung einer Grafik

Autor: Stefan Ineichen, Biologe, Zürich


Entlang stark befahrener Strassen nisten deutlich weniger Singvögel als in vergleichbaren Lebensräumen ohne Lärmbelastung.

Nicht nur die Gesamtzahl an Vögeln, auch die Vielfalt an Arten wird durch Strassenlärm vermindert. Dabei ist die Wirkung des Lärms über Hunderte von Metern spürbar. In einer entsprechenden Untersuchung in den Niederlanden ist festgestellt worden, dass schon in den 1980er Jahren über ein Zehntel der Landesfläche von einer lärmbedingten Verarmung der Vogelwelt betroffen war.

Auch andere Tiere meiden laute Zonen entlang von Verkehrsadern: Feldheuschrecken beispielsweise verschwinden nach dem Bau von Strassen aus den angrenzenden Wiesen.

Anderseits leben im ganzen Kanton Zürich nirgends mehr Nachtigallen als auf dem Klotener Flughafen. Vorüberdonnernde Flugzeuge beeindrucken die reichhaltige Vogelwelt des Flughafengeländes wenig: kaum ist der Lärm verebbt, nehmen die Singvögel am Pistenrand ihren Gesang wieder auf. Wie passt das zur Verarmung der Vogelwelt entlang von Strassen?

Die Wirkung von Lärm auf Tiere ist, soweit überhaupt bekannt, nicht immer dieselbe. Verschiedene Tierarten reagieren unterschiedlich. Oft ist es auch nicht leicht, den Anteil des Lärms an einer Störung auszumachen, denn Lärm kommt selten allein: Flugzeuge wirken auch als visuelle Störungen, Strassen beeinträchtigen Lebensräume ebenso als Barriere und Gefahrenquelle.

Die Schäden, welche als Folgen von Lärm bei Tieren nachgewiesen sind, reichen - je nach Tierart und Lärmform - von einer Erhöhung der Aufmerksamkeit und der Herzfrequenz über Ausweichbewegungen und teilweise lebensgefährliche Gehörschäden bis zu Aborten, panischer Flucht mit gelegentlichen Todesfolgen und zur Vertreibung oder Schädigung ganzer Populationen.

Foto eines Vogel, im Hintergrund ein Flugzeug

Viele Arten können sich offenbar an gewisse Formen von Lärm gewöhnen - ein Düsenflugzeug auf dem Flughafen stört daher oft weniger als das viel leisere, aber unerwartete Geräusch des Brenners eines Heissluftballons im Hochgebirge.

Gerade in wenig lärmbelasteten Regionen wirken sich unvorhergesehene Störungen durch Helikopter oder auch Sporttreibende oft verheerend aus: Vögel und Säugetiere können zu überstürzten, unter Umständen lebensbedrohende Fluchtreaktionen veranlasst werden.

Für viele Vögel und Insekten scheint jedoch keine Gewöhnung an einen permanenten Lärmteppich möglich. Singvögel, Heuschrecken und andere Tiere, die sich akustisch verständigen, werden in ihrer Kommunikation gestört, ihr Gesang wird vom Strassenlärm übertönt.

Lärm wirkt sich je nach Form der Lärmquelle und nach Art der betroffenen Tiere ganz unterschiedlich aus. In tabellarischer Übersicht wird hier aus der Literatur eine Reihe von Beobachtungen und Experimenten zusammengestellt, die das weite Spektrum von Reaktionen und Folgen von Lärmreaktionen im Tierreich aufzeichnen.

Literaturverzeichnis und Quellenangaben der Bilder