Studien

Wahrnehmung von Lärmschutzwänden

Durch die Verdichtung und den zunehmenden Verkehr sind immer mehr Menschen starker Lärmbelastung ausgesetzt. Werden kritische Werte überschritten, muss saniert werden. Lärmschutzwände sind eine mögliche Massnahme, wenn die Emissionen nicht direkt an der Quelle begrenzt werden können. Sie führen jedoch meist zu einem beträchtlichen Eingriff ins Orts- und Strassenbild und sind nicht unumstritten.

Eine Umfrage soll Antworten liefern

Um zu untersuchen, wie Betroffene Lärmschutzwände wahrnehmen, führte die Fachstelle Lärmschutz des kan-tonalen Tiefbauamtes im Herbst 2016 eine Umfrage durch. Befragt wurden neben Personen, welche hinter oder gegenüber einer Lärmschutzwand wohnen, auch Menschen an Standorten, wo der Bau einer Wand erst bevorsteht. So sollte herausgefunden werden, welche Erwartungen betroffene Anwohner an Lärmschutzwände haben.

 

 

Die Innenseite einer Lärmschutzwand in Bülach, die bei den befragten Anwohnern optisch gut ankam.
(Foto: FALS)

In 21 Gemeinden des Kanton Zürich wurden Fragebogen verteilt. An den meisten Standorten handelte es sich um kantonale Lärmschutzwände. Mit dem Fragebogen sollte in Erfahrung gebracht werden, wie Lärmschutzwände in akustischer und visueller Hinsicht wahrgenommen werden. Die vergleichsweise hohe Rücklaufquote von beinahe 35% wiederspiegelt die Bedeutung der Thematik für die Betroffenen.

Schöne Wände …

Die Lärmschutzwände kommen bei den Befragten optisch gut an: mehr als die Hälfte äussert, dass ihnen die Wand gut oder sogar sehr gut gefällt. Sie wirken auf die Anwohner gepflegt, passend materialisiert und gestaltet. Sie gliedern sich ausserdem gut ins Strassenbild ein.

… mit unbefriedigender Wirkung

Oft jedoch wird die Lärmschutzwirkung und somit der Grund für den Bau einer Lärmschutzwand als ungenügend eingestuft. Fast die Hälfte gibt an, dass sie keine oder bloss eine geringe Lärmschutzwirkung der Wand wahrnehmen. Es erstaunt deshalb nicht, dass der Anteil jener, deren Erwartungen an die Lärmschutzwand erfüllt und enttäuscht wurden, beinahe gleich gross ist.

 

 

Dieselbe Lärmschutzwand von aussen - so wie sich uns Lärmschutzwände im Normalfall präsentieren.
(Foto: FALS)

Trotz dieses Ergebnisses würde der Grossteil der Betroffenen dem Bau einer Lärmschutzwand erneut zustim-men. Das ist unerwartet und erscheint auf den ersten Blick widersprüchlich. Es lässt sich jedoch damit erklären, dass die Wände optisch häufig gut ankommen, was, wie sich herausstellte, ein wichtiger Faktor für die Akzeptanz ist. Des Weiteren bieten sie neben dem Lärmschutz auch andere Vorteile, die nicht ihrem primären Zweck entsprechen, aber für die Befragten die ungenügende Wirkung wettzumachen scheinen: Privatsphäre und Sicherheit für spielende Kinder und Tiere im Garten.

Hohe Erwartungen

Bei den noch nicht realisierten Lärmschutzwänden zeigt sich ein umgekehrtes Bild: die Hälfte der Betroffenen versprechen sich eine gute oder sehr gute Wirkung. Demgegenüber stehen nur gut 20%, die keine oder geringe Erwartungen an die Lärmschutzwirkung der Wand haben. Dem Aussehen der Wand gegenüber sind Lärmschutzwand Anwohner aber eher skeptisch eingestellt. Etwa ein Drittel erwartet, dass ihnen die Innenseite der Lärmschutzwand gar nicht oder wenig gefallen wird. Der Anteil jener, die davon ausgeht, dass sie ihnen gut oder sehr gut gefallen wird, ist etwas tiefer. Lediglich die Erwartungen an die bauliche Gestaltung sind hier ebenfalls positiv, wenn auch weniger ausgeprägt.

Auch gegenüber Wohnende sind betroffen

Was erstaunt, sind die Schallreflexionen, die durch die Nachbarn auf der anderen Strassenseite häufig als sehr stark beschrieben werden. Messungen in zwei Gemeinden zeigen aber, dass eine technisch richtig konzipierte und ausgeführte Lärmschutzwand tendenziell zu einer geringeren Lärmbelastung auch auf der Gegenseite führt. Dies liegt darin begründet, dass durch die absorbierenden Wände Reflexionen ab Fassaden, Pflanzen und anderen Raumelementen auf die gegenüberliegende Seite verhindert werden.

Nicht ruhig, aber ruhiger

Es wurde deutlich, dass Betroffene oft unrealistisch hohe Erwartungen an die lärmmindernde Wirkung von Lärmschutzwänden haben. Im Rahmen ihrer Öffentlichkeitsarbeit wird das Tiefbauamt die Betroffenen künftig deshalb vermehrt darauf hinweisen, dass hinter einer Lärmschutzwand eine Lärmbelastung verbleibt, selbst wenn die Grenzwerte eingehalten werden.